Der richtige Zeitpunkt


Bevor man beginnt, bedarf es der Überlegung und,

sobald man überlegt hat, rechtzeitiger Ausführung.

                                             Sallust - Der Catilinarische Krieg


Boule - Petanque / Tipps & Tricks
Ich rechten Moment abdrücken

 

Wenn Schützen – gemeint sind solche, die mit Gewehren hantieren – ein Ziel anvisieren, geschieht das auf spezifische Weise: Das Fadenkreuz ihrer Zieloptik vor Augen, versuchen sie, dessen Zentrum in Deckungsgleichheit mit dem Ziel zu bringen. Da es niemals gelingt, das Gewehr vollständig ruhig zu halten, pendelt das Zentrum der Optik immer ein wenig um dieses Ziel herum oder streift es für kurze Zeit. Aufgabe des Schützen ist es, beider Zusammentreffen vorherzusehen und genau im Moment der Begegnung den Schuss auszulösen.

 

Mit dem Konzentrationsprozess beim Pétanque verhält es sich in ähnlicher Weise. Betritt man den Kreis, baut sich die Konzentration eine Zeit lang auf, erreicht ein Maximum, fällt dann wieder ab, um erneut – ähnlich einer Pendelbewegung – anzusteigen. Der erfahrene Spieler versteht es, den Wurf genau zu dem Zeitpunkt auszuführen, da die innere Bereitschaft zu treffen am größten ist.

 

Leicht kann der ideale Moment versäumt werden, sei es, weil äußere Einflüsse zu Ablenkungen führen; die innere Ruhe nicht ausreicht, geduldig des besten Augenblicks zu harren; oder zögernd so lange gewartet wird, bis die Konzentration bereits wieder abfällt. Grundsätzlich sollte aber mit dem Wurf gewartet werden, bis offensichtliche Störungen sich gelegt haben. Jede Bewegung, die sich in Blickrichtung des Spielers ereignet, ob durch querende Passanten oder agierende Mitspieler, ist ebenso zur Ablenkung geeignet, wie das laute Gespräch in Kreisnähe. Man scheue sich dann nicht, die Aktion zu unterbrechen!

 

Bei großen Turnieren, wenn Bahn an Bahn liegt und teils sogar an den Kopf- und Fußenden des Feldes gespielt wird, ist es fast unmöglich, einen störungsfreien Moment abzuwarten. Es kann sogar besonders enervieren, ständig auf diese Momente zu lauern, die dann aber nur selten eintreten. So wird der Spieler zum Gehetzten, dem äußere Einflüsse sein Spiel diktieren – genau das aber gilt es zu vermeiden.

 

 

Beim Zielen nicht einrosten!
Beim Zielen nicht einrosten!

Erfahrene Schützen – wiederum die mit den Gewehren – haben hierfür ein Verfahren: Sie warten nicht, während sie das Pendeln des Fadenkreuzes beobachten, auf den rechten Moment, der sich zufällig irgendwann einstellen mag, sondern ziehen das Zielkreuz kontrolliert zum Ziel. Bei Deckungsgleichheit wird sofort der Schuss ausgelöst. Der Vorteil liegt darin, dass man einerseits den Zeitraum bis zum eigentlichen Schuss verkürzt, was weniger störanfällig ist, und andererseits den ganzen Prozess weitestgehend kontrolliert, was mental weniger aufreibt. Der Schütze wird nicht von dem entscheidenden Moment überrascht, sondern führt ihn selbst herbei. Er verschafft sich dabei eine Art Vorwarnzeit.

 

Die Lösung liegt auch beim Pétanque in einem festen Ablauf. Durch Rituale strukturiert, die zudem etwaige Ablenkungen überdecken, findet der Konzentrationsaufbau immer auf dieselbe Weise und zügig statt. Diesen Prozess gilt es zu üben, zu optimieren, zu verstetigen, bis er den schwierigen Bedingungen einer Wettkampfsituation angemessen ist. Der Geist muss sich entschlossen auf das Ziel zubewegen, es auffassen und dann ohne zu zögern das Handeln einleiten.

 

Wirf erst, wenn die Umstände es dir erlauben, das Maximum zu erreichen.

Wirf erst, wenn du innerlich bereit bist, das Maximum zu erreichen.

Wirf, sobald das Maximum in Reichweite ist.

 

Thorsten