Schießen, Legen und das Mittelalter


Im Mittelalter errichtete man Burgen, um Kontrolle über strategische Punkte auszuüben. Das konnten Kreuzungen wichtiger Handelswege, bedeutende Rohstoffvorkommen oder andere Orte von besonderem Interesse sein. Die Burg beherrscht den Raum der sie umgibt. Je geringer ihre Entfernung zum strategischen Punkt, desto größer die Kontrolle darüber.

 

Wenn wir eine Kugel legen, geschieht im Prinzip nichts anderes. Wir errichten eine Festung, die den Bereich zwischen ihr und dem Cochonnet kontrolliert. Ist die Entfernung groß, so ist der Einfluß schwach, und der Gegner kann den Raum seinerseits besetzen. Bei geringer Distanz fällt ihm dieses Manöver deutlich schwerer.

 

Wenn wir nun schießen, versuchen wir die Festung zu schleifen oder im Falle eines „Carreau“, sie selbst zu besetzen, um den gegnerischen Einfluss zu eliminieren.

Warum aber sollen wir schießen? Ist es nicht immer möglich, eine bessere Kugel zu legen? Abgesehen von wenigen Ausnahmen, ist es immer möglich, eine bessere Kugel zu legen. Das kritische Wort in diesem Satz ist aber das Wort „EINE“. Wir können eben nur eine einzige Kugel besser legen. Wenn wir aber die gegnerische Kugel entfernen, können viele unserer bisher wertlosen Kugeln wieder aufleben. Um im Bild zu bleiben: Wir besitzen dann einen Festungsgürtel, der weite Gebiete beherrscht.

 

Das ist eigentlich eine schöne Sache, doch zeigt sich hier die Ambivalenz, die jedes gute Spiel auszeichnet. Indem wir auf eine Kugel schießen, verzichten wir - abgesehen vom „Carreau“- darauf, selbst Burgen zu errichten und somit das Land unter unsere Kontrolle zu bringen. Somit werden wir unsererseits angreifbar.

Barbarossa - Kaiser, Heerführer und Sagengestalt des Mittelalters. Seine Zeit bietet Analogien, die das Wesen des Spiels illustrieren
Barbarossa - Kaiser, Heerführer und Sagengestalt des Mittelalters. Seine Zeit bietet Analogien, die das Wesen des Spiels illustrieren

 

Im Mittelalter errichtete man Burgen, um Kontrolle über strategische Punkte auszuüben. Das konnten Kreuzungen wichtiger Handelswege, bedeutende Rohstoffvorkommen oder andere Orte von besonderem Interesse sein. Die Burg beherrscht den Raum der sie umgibt. Je geringer ihre Entfernung zum strategischen Punkt, desto größer die Kontrolle darüber.

 

Beim Boule entspricht das Heer den Kugeln, die wir noch auf der Hand haben. Sind es viele, so kann der Gegner nicht frei operieren. Haben wir wenige oder keine Kugeln übrig, so sind unsere Burgen in großer Gefahr. Vermeiden wir also den Fehler[1], den König Guido von Lusignan bei den „Hörnern von Hattin“ beging, erhalten wir das Heer, geraten wir nicht in Kugelnachteil.

Thorsten


[1] Bei "Hattin" verlor der Kreuzfahrerstaat die Masse seiner mobil einsetzbaren Kräfte. In der Folge waren befestigte Orte - sämtlich - isolierte Inseln, die im Falle einer Belagerung nicht auf Entsatz hoffen durften und überwiegend entsprechend rasch in die Hände des Gegners übergingen.

Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_bei_Hattin 

 

Bild: Reiterstandbild vor der Kaiserpfalz in Goslar