Sprüche der "Sieben Weisen"


Zur ersten Hälfte des 6. vorchristlichen Jahrhunderts traten in der griechischen Welt bedeutende Männer hervor, deren Aussprüche überliefert sind. Diese werden als die "Sieben Weisen" bezeichnet, obwohl es eigentlich weit mehr als sieben waren. Ihre Sprüche bedienen sich einer sehr knappen Form und sind gleichwohl tiefgründig. Sie bilden den Anfang des Zeitalters der Philosophie.

 

Können die Sprüche der "Sieben Weisen" auch zum Gelingen des Spieles beitragen? Hier wurden einige ausgewählt und kommentiert. Wiewohl es ratsam ist, die lakonischen Sprüche "pur" auf sich einwirken zu lassen, füge ich meine Sicht hinzu, dessen eingedenk, dass es nur meine Deutung ist und diese sich auch nur auf das Pétanquespiel bezieht.

 

 

 

"Gern hören und nicht viel reden"

- Kleobulos -

 

Fast nichts ist in deinem Verstand, das nicht von außerhalb hineingelangte. Der Beginn aller Erfahrung ist die Bereitschaft zur Aufmerksamkeit. Strebe danach, viel wahrzunehmen. Mit der Beschränkung der Rede schaffst du dir und den Mitspielern Raum zur Besinnung.

 

"Nichts zu sehr"

- Solon von Athen -

 

Meide Übertreibungen; sei nicht einseitig! Legen oder Schießen, beides verfeinerst du nur, indem du es tust; lege dich also nicht fest! Ob bei Gemütsverfassung, Bewegung oder Strategie, immer ist es das rechte Maß, worin Erfolge gründen. Übertreibe aber auch die Mäßigung nicht! Extreme Situationen erfordern extremes Handeln. Willst du Solons Rat befolgen, dann zwingt er dich, die Urteilskraft zu schärfen. Was ist das Rechte zu gegebener Zeit? Das musst du dir beantworten - immer und immer wieder. So schafft dir das "Gern hören und nicht reden" die Erfahrung, die du mit dem "Nichts zu sehr" zu wägen weißt.

 

"Wenn du gehorchen gelernt hast,

wirst du auch zu befehlen verstehen"

- Solon von Athen -

 

Als Neuling musst du vor allem lernen! Du musst auch von allen lernen, denn die anderen sind dir voraus. Was man dir rät, das miedest du lieber oder tätest es auf andere Weise. Befolge es dennoch, denn nur so mehrst du deine Fähigkeiten. Das fällt dir schwer und das ist gut. Merke dir deine Schwierigkeiten und erinnere dich daran, wenn du einst selbst Rat erteilst. Du kannst nicht führen, ohne im Anderen dich selbst zu erkennen.

 

"Rate nicht das Angenehmste, sondern das Beste"

- Solon von Athen -

 

Dein Rat wird besser, wenn er Menschen und Dinge gleichermaßen betrachtet. Sieh nicht nur die Kugeln und nicht nur den Spieler. "Nichts zu sehr!" Manchmal musst du Menschen drängen, manchmal sie bestärken. Erkenne aber: Das kurzfristig Richtige ist oft das langfristig Falsche. Soll man, um des Erfolges willen, das gut Gelingende tun, oder ist es besser, um der Entwicklung willen, das schlecht Gelingende zu versuchen?

 

"Erkenne dich selbst"

- Chilon von Sparta -

 

Wie willst du Herausforderungen bestehen, wie mit anderen wetteifern, wenn du dich selbst nicht kennst? Du glaubst, du wärest dir vertraut? Weißt du genau, wie du dich bewegst oder warum du Entscheidungen triffst? Lässt du viele Dinge nicht einfach geschehen? Willst du steuern, musst du das Ruder ergreifen. Suche es in dir! Beobachte dich so, wie du auch alles andere beobachtest.

 

"Ehre den Älteren"

- Chilon von Sparta -

 

Die dir vorausgingen haben mehr erlebt. Das schätze an ihnen, dass sie erfahrener sind. So bleibst du gewahr, was es gilt: Die Lücke zu schließen. Zolle jedem Respekt aber respektiere besonders den Erfahrenen, denn zu Recht darf er es erwarten und er erwartet es auch. Versuche schließlich, den Lehrer zu übertreffen, denn so ehrst du ihn wirklich.

 

"Wähle lieber Verlust als schimpflichen Gewinn;

denn jener bringt nur einmal Gram, dieser immer"

- Chilon von Sparta -

 

Im Spiel ist es dein Ansehen, das auf dem Spiel steht. Du wärest ein Narr, schenktest du es für Punkte her. Betrüge nie, denn der Betrogene bist du selbst. Mag es auch unbemerkt bleiben, du hast es bemerkt. Ringe hart aber stets fair, so wird dich auch der Unterlegene achten. Ist das nicht der Sinn des Spielens, sich selbst achten zu können und von anderen geachtet zu werden?

 

"Beherrsche den Zorn"

- Chilon von Sparta -

 

Der Zorn ist ein Affekt. Er raubt die Kontrolle. Seiner Geschwister Namen sind Gier und Angst. Du kannst sie nicht töten, also lerne sie beherrschen. Gezähmt verleiht Zorn dir Kraft, Gier das Streben und Angst die Vorsicht.

 

"Zu den Festen der Freunde geh langsam,

zu ihrem Unglück schnell"

- Chilon von Sparta -

 

Mitspieler werden dich übertreffen und werden dich auch unterbieten. Beides nimm gelassen! Wetteifere nicht mit den Gefährten, bekämpfe mit ihnen den Gegner. Brillieren deine Freunde, so lass ihnen Raum, straucheln sie, so spring für sie in die Bresche.

 

"Sei nicht untätig, auch dann nicht, wenn du reich bist"

"Thales von Milet"

 

Ein Spiel gewinne schnell. Glaube nie, dass es dir später leichter werde. Manch reicher Vorsprung ward jäh vertan. Mit deinem Können sei nie zufrieden. Strebe es zu mehren, wie reich es auch sei. Nicht im Können zeigt sich Meisterschaft, sondern im Willen es zu bessern.

 

"Den rechten Augenblick erkennen"

- Pittakos aus Lesbos -

 

Etwas wissen ist das eine, entschlossen handeln etwas anderes. Pflege deine Urteilskraft, damit du ihr vertraust, wenn der Moment kommt. Hast du dich entschieden, dann zweifele nicht mehr!

 

"Von dem, was du vorhast, sprich nicht.

Denn wenn es dir nicht glückt, wirst du verlacht"

- Pittakos aus Lesbos -

 

Erstrebe nicht zu große Genauigkeit, denn desto sicherer wirst du scheitern. Bedenke das du spielst! Suche Wege, die vielerlei Erfolge bergen. Wenn du Strategien ersinnst, behalte die letzten Ziele für dich, desto eher werden sie dir glücken.

 

"Was du Gutes vollbringst,

das schreibe den Göttern zu, nicht dir"

- Bias aus Priene -

 

Gesteh dir ein, dass du würfelst. Wie oft lenkt der Zufall deine Kugel? Das sollte dich Demut lehren. Ohne Glück wirst du nichts erreichen, jedes Unglück endet mal. Ist beides nicht mehr Trost denn Bürde?

 

"Gefährlich ist vorschnelles Wesen"

- Periander aus Korinth -

 

Dein Verstand ist deine schärfste Waffe. Nutze ihn. Lass dich nicht von der Emotion hinwegtragen. Die Zeit, die du nicht nutzt, machst du dem Gegner zum Geschenk.

 

"Im Glück sei mäßig, im Unglück besonnen"

- Periander aus Korinth -

 

Lass dir vom Glück den Verstand nicht rauben, noch vom Unglück den Mut. Im Spiel währt beides nicht lang. Triumphiere und hadere nicht im Übermaß, beides schadet deinem Ansehen. 

 

Thorsten