Drei, Sieben … und was nun?


– Das Pétanquespiel bei ungünstiger Spielerzahl –


Beim Pétanque kennt man zwei Unglückszahlen, die – im Gegensatz zur gemeinhin gefürchteten 13 – tatsächlich immer wieder für Verdruss sorgen. Zum einen ist das die Drei, zum anderen die Sieben. Befinden sich nämlich Spieler entsprechender Anzahl auf dem Platz, kann kein reguläres Spiel stattfinden. Niemand wird daher dringlicher erwartet und herzlicher begrüßt, als der vierte und der achte Spieler. Was aber soll geschehen, wenn sich diese "Retter" nicht einstellen wollen?

 

Spiele zu dritt:

 

Aussetzen

Drei Spieler können sehr gut eine Partie im Modus Tête-à-tête spielen, wenn pro Aufnahme einer der Anwesenden aussetzt. Es beginnen zunächst zwei der Akteure mit der ersten Aufnahme. Der Verlierer wird nun in die Pause geschickt. Der Sieger, der seine Punkte zählt, tritt gegen den zuvor Pausierenden an. So geht es weiter, bis ein Spieler den dreizehnten Punkt erreicht. Der Sieger wirft stets das Cochonnet.

 

Dieser Modus hat den Vorteil, reguläre Aufnahmen im meist vernachlässigten Modus Tête-à-tête zu ermöglichen, der die Flexibilität enorm schult. Aufgrund der immer mal wieder vorkommenden Pausen wird er auch von Rauchern, die der Kunst des Drehens frönen, nicht ungern angenommen.

 

Hasenjagd

Ein Spieler tritt mit drei Kugeln gegen zwei Gegner an, die beide jeweils drei Kugeln ins Feld führen. Ungerecht - drei gegen sechs? Zum Ausgleich erhält der Solospieler bereits 12 Punkte. Das Duo hat zu verhindern, dass dieser den 13. Punkt erzielt, bis es selbst diese Marke überschreitet. Erst dann ist der "Hase" zur Strecke gebracht.

 

 

Spiele zu siebt:

 

Rotation

Bei dieser Variante besteht ein Team aus vier Spielern, das andere zählt drei Akteure. Von den Vieren setzt turnusmäßig einer aus, was wie folgt gehandhabt wird: Der die Position des Schützen bekleidende Spieler setzt in der kommenden Aufnahme aus. Der eben noch Pausierende kommt als Leger zurück in die Mannschaft. Die Positionen werden also mit jeder Aufnahme getauscht wobei die Spieler von vorn nach hinten rotieren.

 

Der Vorteil dieses Modus besteht darin, ein reguläres Spiel nach Art des "Triplette" zu ermöglichen. Das rotierende Team steht vor der Herausforderung, sich ständig auf neuen Positionen zurechtfinden zu müssen. Dieses stellt jedoch ein hervorragendes Milieutraining dar. Die ständig notwendigen Überlegungen, wie in der aktuellen Kombination am besten zu spielen sei, schulen das taktische Verständnis.

 

Bemerkung: Freilich ist es auch möglich, die Positionen jeweils nach Fähigkeit zu besetzen, also den Spieler in der Kreis zu schicken, der für die aktuell sich bietende Herausforderung am Besten geeignet erscheint.

 

Berliner-System:

Beim sogenannten "Berliner-System" spielt ebenfalls eine Mannschaft zu dritt, ihre Gegner hingegen zu viert. Da hier kein Spieler pausiert, wird die Anzahl der Kugeln erhöht. In der größeren Mannschaft spielt jeder mit zwei Kugeln, wodurch dann im kleineren Team einer der Spieler ebenfalls nur zwei Kugeln führen darf, die Mitspieler jedoch drei Kugeln werfen (16 Kugeln im Spiel).

Alternativ hierzu spielt das kleinere Team mit jeweils drei Kugeln, was zur Folge hat, dass bei den Gegnern einer der Spieler ebenfalls drei Kugeln führen muss (18 Kugeln im Spiel). Aufgrund der erhöhten Zahl der Spielkugeln endet ein Spiel erst bei Erreichen des siebzehnten Punktes.

 

Bemerkung: Der Nachteil dieses durchaus gebräuchlichen Verfahrens liegt in der erheblichen Veränderung des Spieles. Durch die vermehrte Anzahl der Kugeln bekommen die Aufnahmen einen vollkommen anderen Charakter, der – mag er auch Abwechslung bieten – dem eigentlichen Spiel doch recht fern steht.

 

Beim Spiel mit drei oder sieben Personen geht es einfach darum, aus einer misslichen Lage das Beste zu machen, denn es wäre doch schade, die Kugeln würden "ungespielt" wieder heimwärts getragen. Lässt man sich darauf ein, bieten sich sogar Chancen, Dinge zu üben, die sonst vernachlässigt werden.

                                                                                                           

          Thorsten