Braunschweigs schlummernde Bouleplätze


In Braunschweig wird regelmäßig am Löwenwall gespielt. Daneben bieten die ansässigen Vereine Spielmöglichkeiten (siehe hierzu unter Links). Zusätzlich existieren noch verschieden Orte, die, obgleich sehr gut zum Pétanque geeignet, nur selten von Boulespielern besucht werden. Diese sollen hier in einer kleinen Serie vorgestellt werden, denn ihnen eignet nicht selten eine besondere Atmosphäre. Auch bieten sie spezielle Bodenverhältnisse, die helfen können, das Spielvermögen zu erweitern.  


FOLGE 1: BOULEPLATZ MALERTWETE

Der kleine Bouleplatz an der Malertwete erschien vielen als Brachfläche, deren Bestimmung den Uneingeweihten rätselhaft blieb. Nun aber wurde endlich ein Schild angebracht, das den Zweck der seit Jahren bestehenden Anlage an der Güldenstraße enthüllt:

Bei genauer Betrachtung fordert das Piktogramm zu erstaunlich ambitioniertem Spiel auf. Das kleine Männlein versucht sich doch tatsächlich an einer der schwierigsten Aktionen im Pétanque, dem direkten "Sauschuss" - lobenswert. 

Ein Plus des Platzes ist die Innenstadtlage und die nebenan gelegene Gastronomie.

 

Siehe hierzu auch "Bestellt und nicht abgeholt" aus dem Archiv 2013.

 

Der Untergrund ist leicht bespielbar, wird aber durch lose aufliegende größere Steinchen etwas aufgepeppt. Da an den Platzrändern Begrenzungen fehlen, müssen schnelllaufende Kugeln von den Spielern aufgehalten werden. Abends ist der Platz zwar diffus aber immerhin beleuchtet

Ergänzung: Am 9. August trafen sich fünf Boulespieler in der Manier echter Heroen, denn es waren jene unwetterartigen Niederschläge angekündigt worden, die dann auch nicht lange auf sich warten ließen. Zum ungläubigen Erstaunen einiger Beobachter wurde auch dann noch weitergespielt, als die Spielfläche ihre Metamorphose zum Gewässer schon beinahe abgeschlossen hatte. Hier erinnerte man sich dann des weisen Rates, bei außerordentlicher Hitze das Trinken nicht zu vergessen, was in der "Bassgeige" mit einem beliebten Gerstengetränk ins Werk gesetzt wurde. Nach abgezogenen Schauern wurde der Platz abermals bespielt, dessen hervorzuhebende Charakteristika zum einen seine erhebliche Schräglage ist, die freilich auch schon vor dem Ausflug in die örtliche Gastronomie aufgefallen war, zum anderen die fehlenden Platzbegrenzungen sind, die es erforderlich machen, so mancher Kugel hinterherzuspurten. Insgesamt ein launiger Ausflug.


FOLGE 2: WESTBAHNHOF

Direkt an Braunschweigs neuem Verkehrsweg für Fußgänger und Radfahrer, dem Ringgleis, liegt auf Höhe des ehemaligen Westbahnhofes eine Boulebahn. Sie befindet sich in direkter Nachbarschaft einer spektakulären Kletterwand und diverser Trainingsgeräte, die in einem schattigen Birkenhain untergebracht sind. Ganz in der Nähe wartet ein Kiosk auf Kundschaft.

Die Boulebahn wurde mit einem Tisch und Bänken versehen und bietet einen feinkörnigen Belag, wie er auch von Parkwegen bekannt ist. 

Wie so häufig, hat man es hier gut gemeint, dann aber weniger gut gemacht. Die einzelne Bahn wird sicher keine Pétanqueszene anlocken, da ihre Reize beim steten Hin- und Herspielen schnell zu verblassen drohen. Besser hätte man den ganzen Platz mit einer pétanquetauglichen Oberfläche versehen - also einfach nicht versiegelt oder begrünt - und dem Spielgeschehen seinen Lauf gelassen. 

Gleichwohl ist die kleine Bahn, da gut zu erreichen, geeignet, einmal zwischendurch mit Freunden ein schnelles Spiel zu "zocken" oder um in aller Ruhe zu trainieren und den einen oder anderen Wurf im Solotraining zu verfeinern. Dabei auftretende Verspannungen lassen sich dann bestens mit den Trainingsgeräten im Birkenwäldchen beseitigen.

(Siehe auch: Juliausgabe der Westpost)


FOLGE 3: JOHANNES-SELENKA-PLATZ

Zwischen Cyriaksring und Ringgleis liegt ein Platz, der aus Sicht des Pétanquespielers zum Interessantesten zählt, was Braunschweig zu bieten hat. Das Areal von erheblicher Größe liegt nämlich vollkommen unversiegelt da. Der Boden ist mal gröber mal feiner geschottert und unterscheidet sich damit von den meisten anderen Boulodromen der Stadt. In der Mitte liegt eine grüne Insel, zu der hin der Platz leicht ansteigt. Die hierdurch sich bildenden Steigungen und Gefälle bieten dem Spieler zusätzliche Reize. Bänke und eine schattenspendende Baumallee runden das Ensemble ab, dem der markante Kubus der Hochschule für Bildende Künste (HBK) sein Gepräge gibt. Gastronomie befindet sich in unmittelbarer Nähe.

Ergänzung: Am 26.7. testeten wir mit 11 Spielern, darunter ein Gast aus Hildesheim, der eigens zu diesem Zwecke angereist war, den Selenkaplatz. Die Erwartungen wurden mehr als erfüllt. Der Platz liegt in den Abendstunden in angenehmem Schatten. Die Bodenverhältnisse müssen eines jeden Boulespielers Herz höher schlagen lassen. Wir werden gewiss dorthin zurückkehren.


FOLGE 4: BOULEBAHN IM PRINZENPARK

Täuschende Perspektive: Die Bahn ist satte 25m lang
Täuschende Perspektive: Die Bahn ist satte 25m lang

Nahezu jeder Braunschweiger kennt sie, die Boulebahn im Prinzenpark. Sie existiert schon eine gefühlte Ewigkeit, auch wenn sie nicht gar so häufig bespielt wird. Durch sie ist die Sportart Pètanque auch jenen vage ein Begriff, die ansonsten nicht das Geringste mit dem französischen Kugelvergnügen zu schaffen haben. Gelegen ist sie zwischen der sogenannten "Skaterbahn" und dem "Franzschen Feld".

Das Spiel von Licht und Schatten verleiht der Bahn einen eigenen Reiz
Das Spiel von Licht und Schatten verleiht der Bahn einen eigenen Reiz

Die Lage unter alten knorrigen Bäumen bedeutet vor und Nachteile: An heißen Sommertagen spielt es sich im Laubschatten wahrlich angenehm. Bei bewölktem Wetter wird es in den Abendstunden etwas düster. Zwar besteht der Belag aus bei Boulern gefürchteter Rotasche - von der die Kunde geht, dass ob ihrer Homogenität schon "Kugelathleten" vor lauter Langeweile verschieden seien - doch gilt das für die "Prinzenparkbahn" nur bedingt, denn von den hohen Bäumen fällt immer wieder Material herab, das dem Grund die gewisse Würze verleiht. Parkbesucher, die den Ort Zweckentfremden, tragen ihr Scherflein dazu bei. Sage und schreibe 25m Länge bieten zwei Gruppen genügend Raum, die Kugeln einmal in klassischer Parkatmosphäre rollen zu lassen.  

Ergänzung: Am 2. August testeten wir mit 11 Akteuren die Spielstätte, die bei enormer Hitze angenehm schattig unserer harrte. Die Bahn erwies sich als ideal geeignet für Feinleger, stellte jedoch Schützen vor einige Probleme. Der Boden lässt Kugeln recht stark aufspringen, sodass auch unmittelbar vor dem Ziel einschlagende "Geschosse" nicht zu Treffern führen. "Tir au fer" ist also gefragt. Nach epischem Gefecht, das schließlich mit 13:12 einen Sieger fand, wo es keinen hätte geben dürfen, besuchten wir den im Park gelegenen Biergarten der "Freien Turner" und genossen die zusehends sich senkende Sommernacht bei Brezeln und Bier. 


FOLGE 5: BOULODROME INSELWALL

Im Inselwallpark befindet sich ganz in der Nähe des Gaußberges (Schubertstraße) eine offene Fläche, die von einer halbrunden Mauer begrenzt wird. Der Platz erfährt seine Prägung durch einen großen Springbrunnen, der im Sommer für Erfrischung sorgt. Viele Bänke laden zum Sitzen ein, was freilich auch auf der Mauer bequem möglich ist.

Zwischen Brunnen und Mauer liegt eine große bespielbare Fläche, deren Belag zwar keine übermäßigen Ansprüche an die Spielkunst stellt, deren Neigung zum Wasser hin jedoch immer wieder für überraschende Kugelwege sorgt. Der Springbrunnen kann zudem vollständig umspielt werden. Schaut man über die Mauer, fällt das Gelände stark ab und bietet einen schönen Blick zum Neustatdmühlengraben hin - einem Nebenarm der Oker.  

Durch die halbrunde Anordnung von Bänken und Mauer steht eine Gruppe von Boulespielern hier automatisch im Zentrum des Interesses der Parkbesucher. Nirgendwo sonst ist es so bequem möglich, die laufenden Spiele in Ruhe zu beobachten. Große Bäume und eine Liegewiese runden das Ambiente ab.


FOLGE 6: MESSEGELÄNDE

 

Er ist nicht der schönste und auch nicht der bestgelegene Bouleplatz; mit weitem Abstand aber ist er der Größte. Hier könnten Turniere mit immenser Teilnehmerzahl stattfinden - auf dem Messegelände an der Eisenbütteler Straße (ehemals Harz & Heide). 

Die Vielfalt der Untergründe beeindruckt: Von leicht bespielbarem, homogenem Kies über schroffen, fast schrundigen Belag mit gröberem Gestein unterschiedlicher Körnungen, bis hin zu, mit spärlicher Vegetation bewachsenen Zonen - dem experimentierwilligen  Pétanquespieler bleibt kein Wunsch versagt.   

Der Platz bietet eine ideale Ergänzung zu den ansonsten in Braunschweig bespielbaren Böden und ist daher ein gut geeignetes Trainingsgelände, auf dem man auch einmal für längere Zeit, vollkommen ungestört, nach Herzenslust etwas ausprobieren kann.


FOLGE 7: GAUSSDENKMAL

Am Fuße des Gaußberges steht das Denkmal seines Namensgebers, der ganz in der Nähe das Licht jener Welt erblickte, deren Wissen zu mehren er in nicht geringem Maße beitrug. Erst jüngst aufwändig saniert, liegt hier, klein und fein, eine unversiegelte Fläche, deren Atmosphäre man sich einfach nicht entziehen kann. Der Genius loci flüstert dem "Boulomanen" sogleich ins Ohr: "Spiele!" 

Der Boden fällt zur Straße hin etwas ab, sodass der eine oder andere Schuss wohl wird aufgehalten werden müssen; dafür wartet aber hinter der Skulptur eine geräumige Bank darauf, dem nicht aktiven Teil der Spieler ein wenig Ruhe zu gönnen. Die dahinter gelegene Anhöhe, die Gauß dazu diente, seine Methode der Landvermessung zu erproben, bietet Gelegenheit, das Geschehen aus ungewohnter Perspektive zu betrachten. 

Ergänzung: "Dem erhabenen Denker, der die verborgensten Geheimnisse der Wissenschaft, der Zahlen und des Raumes entschleiert, der die Gesetze der himmlischen und irdischen Naturerscheinungen ergründet und dem Wohle der Menschheit dienstbar gemacht hat..." - eben Carl Friedrich Gauß - ist, wie auf dem Sockel zu lesen steht,  jenes Denkmal gewidmet, das zu umspielen wir am 16. August die Freude hatten.

Der Boden erwies sich aus boulistischer Sicht als interessant, da er einerseits den Kugeln viel Energie raubt, also eher Horchportée begünstigt, seine zahlreichen Schrägen diese Legetechnik andererseits jedoch nicht wenig erschweren. Das Areal bietet erheblich mehr Platz, als es von der Straße aus erscheint und mehreren Gruppen reichlich Raum, ihrem liebsten Hobby zu frönen.  

Die sich zum Halbkreis rundende Bank ergänzt den Ort in idealer Weise und wurde von den insgesamt 10 an der Exkursion teilnehmenden Pétanquespielern gern in einer Spielpause aufgesucht, die launig bei einem Glas Rotwein verbracht wurde. Nicht zuletzt wegen der wunderbaren Parkbäume und dem Gaußberg selbst, Relikt einer alten Befestigungsanlage, muss man diesen Ort als einen der schönsten pétanquegeeigneten Plätze unserer Stadt bezeichnen. 


Folge 8: Parkplatz der BMA

In der Straße "Am alten Bahnhof" liegt der Parkplatz der BMA. Über diesem erhebt sich als Hochplateau ein abgegrenztes Geviert, das wir am 23. August zum Zwecke des Spiels aufsuchten. Volker hatte diesen Ort schon vielfach bespielt und erkundet. Sein Geheimtipp erwies sich als Volltreffer. Sechs Spieler hatten sich aufgerafft, diesen doch recht ungewöhnlichen Ort auf seine Bouletauglichkeit hin zu testen - sie sollten es nicht bereuen.

In charmanter Weise vereint der Platz eine Reihe von Gegensätzen, die ihm Spannung verleihen. Einerseits mitten im Industriegebiet gelegen, vernimmt man zu den Tönen des Gewerkels ebenso die Vielfalt der Naturgeräusche; die Backsteinfassaden alter Fabriken erheben sich neben modernen Zweckbauten; der Ort ist heimelig abgegrenzt und gibt doch den Blick frei, auf umliegende Straßenfluchten; wohlpräpariert zeigt sich der Boden, obgleich nur einem Nebenparkplatz zugehörig. Wunderbar ausgeleuchtet liegt das Areal in den frühen Abendstunden vollkommen verlassen da, bereit, bespielt zu werden.

Der Belag präsentiert sich, zumal für einen Parkplatz, erstaunlich gut gefügt. Die Übergänge von grobem Gestein zu feinstem Kies erfolgen allerorts mählich. Nahezu jeder Punkt kann präzise angespielt werden. Der Grund ist tief und bietet zwar auch Anfängern - Tireuren wie Pointeuren - gute Möglichkeiten, weist aber insgesamt eine Struktur auf, die versiertes Spiel stets honoriert. Umrandet ist der Platz mit einem Brombeerdickicht, dessen häkelnde Ranken nun ebenso verdorrt wie malerisch, als Relikte allzu kecken Wachstums, knorrig und in bizarrsten Windungen erstarrt, den Boden schmücken.

 Anmerkung: Aufgrund seiner exzellenten Beleuchtung scheint dieser Platz recht gut geeignet, um in den Wintermonaten dann eine Ausweichmöglichkeit zu bieten, wenn auf dem "Magniplatz" dessen schlechte Drainage das Spiel zur Schlammschlacht werden lässt. 

 

Ein Nebenaspekt ist die vorhandene Tressierung, die den Platz in einzelne Spielfelder unterteilt. Das spielen auf Feldern ist eine Disziplin, die eine  andere Vorgehensweise verlangt, als sie bei "terrain libre" gebräuchlich ist und die bei uns deutlich zu kurz kommt.

Fotos: Volker, Andreas, Thorsten