Das ERtragsgesetz


Aus den Wirtschaftswissenschaften stammt eine Gesetzmäßigkeit, die sich mit dem Verhältnis von Aufwand und Ertrag beschäftigt und als "Ertragsgesetz" bekannt ist. Dieses sogenannte Gesetz wurde bereits im 18. Jahrhundert für die Landwirtschaft entdeckt und hat seine umfassende Gültigkeit seither immer wieder unter Beweis gestellt. Dieses gilt desto mehr, als es von mindestens 4 Personen unabhängig voneinander entdeckt wurde.

 

Kurz zusammengefasst beschreibt das Ertragsgesetz die Entwicklung der Produktionsmenge eines bestimmten Gutes. Dabei wird einer der beteiligten Produktionsfaktoren stetig erhöht, während alle anderen konstant bleiben. Im klassischen Beispiel wird auf einer gegebenen Ackerfläche, bei gleichbleibendem Düngeeinsatz, die Anzahl der Arbeitskräfte gesteigert. Dabei ist folgendes zu beobachten: Mit steter Erhöhung der Arbeitskraft steigt die Produktion zunächst überproportional, dann unterproportional, stellt ihr Wachstum schließlich ganz ein und sinkt schließlich sogar wieder.

Eine fortwährende Steigerung eines eingesetzten Mittels bei gleichbleibender Dimension der anderen Faktoren ist also wenig sinnvoll.

 

 

Für eine tiefere Durchdringung des Zusammenhanges verweise ich auf den Wikipediaartikel.

 

Aus dieser anschaulichen Gesetzmäßigkeit können wir - bei aller Vorsicht - einiges hinsichtlich der Bemühungen ableiten, die wir in unser Spielvermögen investieren. Es offenbart sich, dass es wenig sinnvoll erscheint, einen bestimmten Wurf über Jahre immer und immer wieder zu üben, ohne dabei auch die Veränderung anderer Faktoren in Angriff zu nehmen. Denn die stete Vermehrung des Faktors Zeit (hier verstanden als Aufsummierung) wird sich dann auf das Spielvermögen schließlich ertragsgesetzlich auswirken. Es wird zunächst stark ansteigen, die Zuwächse werden aber immer kleiner werden, schließlich stagnieren und sich gar ins Negative kehren. Zwischenzeitlich muss jeder Zuwachs mit einem immer höheren Aufwand erkauft werden. Die dabei zu erwartende Ermüdung und Demotivierung mag als eine Begründung für die beschriebene Entwicklung dienen.

 

Bleiben wir bei unserem Beispiel aus der Landwirtschaft, so wäre es sinnvoll, mit der Steigerung der Arbeitsmenge auch mehrere Felder zu beackern. Für das Pétanquespiel bedeutet das, nicht nur einen, sondern viele Würfe ins Programm zu nehmen, die mentalen Fähigkeiten zu steigern, die Gegnerpsychologie zu studieren, Strategie und Taktik immer weiter zu verfeinern, die Gruppenprozesse effizienter zu bewältigen, sich nicht auf eine Spielposition festzulegen und vieles mehr. So maximieren wir nicht die technische Fähigkeit in einem begrenzten Bereich, sondern optimieren unser Spielvermögen.

 

Wenn man so will, liefert das Ertragsgesetz einen wissenschaftlichen Beleg für eine Empfehlung, die wir bereits der Trainingslehre des Tom Amberry entnehmen konnten:

 

 

"Richtig übt nicht der, der viel übt. Nur wer das Richtige übt, übt auch richtig."

 

 

Es ist die vorgebliche Weisheit "Viel hilft viel!", die dazu führt, dass Spieler irgendwann in ihrem Leistungsvermögen stagnieren. Wenn "Solon von Athen" empfahl: "Nichts zu sehr!", hatte er vermutlich schon einen ertragsgesetzlichen Zusammenhang im Sinn. Dieses Gesetz ist eine jener Wahrheiten, die - zwar wenig komplex - uns gleichwohl überall begegnen. Es empfiehlt uns, doch mal die Tür zu nehmen, wenn wir mit dem Kopf durch die Wand wollen.

 

Thorsten