Lob


Seine Mitspieler davon in Kenntnis zu setzen, dass eine Aktionen besonders gelungen war, gehört zum Pétanque einfach dazu. Gern darf auch der Gegner gewürdigt werden, wenn er es denn verdient. Was wäre eine Partie ohne das applaudierende Klackern der Kugeln? Was wäre eine Boulerunde ohne das aufbrandende "Bravo", das die Spielkunst feiert?

 

Das Lob, als ehrlicher Ausdruck der Bewunderung, als spontaner Akt der Freude und Wertschätzung, soll darum hier nicht das Thema sein. Wir wollen uns mit jenem Lob befassen, das mit einem Hintergedanken daherkommt, das einem Zweck dient, ein Lob also, das genau dadurch zu einem Element von Strategie und Taktik wird.

 

Beim Spiel mit Neulingen ist Lob ein gutes Mittel, eine gewisse Richtung einzuhalten und Erfahrungen weiterzugeben. Anfänger sind beispielsweise regelmäßig von sich enttäuscht, wenn nicht jede Kugel direkt am Cochonnet liegt. Wird aber eine Kugel, die 30 cm "devant" liegt, einmal ausdrücklich gelobt, kann das einprägsamer und glaubwürdiger sein, als jede Erklärung. Hinzu kommt, dass sich Anfänger häufig zu sehr unter Druck setzen, im Glauben, sie müssten bestimmten Anforderungen genügen. Stetes Loben kann hier die Situation deutlich entspannen.

 

So positiv das Loben bei Neulingen auch sein mag, so ambivalent wird es im Spiel fortgeschrittener Akteure. Sicher kennt jeder diese "Dauerlober", die auch noch einer Kugel, die einen Meter schräg hinter dem Chochonnet liegt, etwas Positives abgewinnen können. Sie loben entweder aus reiner Gewohnheit, was ihre inhaltsleere Äußerung zu einer Art akustischer Umweltverschmutzung macht, oder aus Berechnung. Ersteres ist so schlimm, wie Letzteres gefährlich ist. Der Gelobte soll irgendwie in eine bestimmte Richtung gelenkt werden, offensichtlich weil ihm nicht zuzutrauen ist, die Situation allein richtig einzuschätzen oder allein über die nötige mentale Stärke zu verfügen, die Partie durchzustehen. So begründet solches Lob eine Hierarchie innerhalb der Mannschaft. Der Mental stärkere und erfahrene Spieler lobt den schwächeren und unerfahrenen, um dessen positive Stimmung zu erhalten. So behandelt man nicht Partner, sondern Assistenten! Soll in einer Mannschaft Schulter an Schulter gekämpft werden, hüte man sich davor, den Mitspieler in eine solche Rolle zu drängen.

 

Nun mag es sogar sein, dass der Gelobte das Lob nicht verübelt, dass er davon nicht irritiert ist, ja, dass er es - wie viele Menschen - gerne annimmt. Was ist aber damit bewirkt? Der Empfänger des Lobes wird in eine Rolle gedrängt, in der er künftig für eine andere Person spielt. Er spielt dann nicht autonom um des eigenen Erfolges willen, sondern auch, um dem Lobenden zu gefallen. In entscheidenden Momenten, vor einem schwierigen Schuss oder wenn der entscheidende Punkt gelegt werden soll, mag es dann sein, dass sich ein weiterer Gedanke in den Geist des Spielers einschleicht: "Ich muss jetzt gut sein, um den XY zu beeindrucken." Das sind genau die Gedanken, die man nicht braucht und die es abzustreifen gilt, sollen Würfe gelingen (siehe hierzu: Gelassenheit). Wer bei seinen Würfen in Betracht zieht, was andere Spieler von ihm denken, spielt nie vollkommen frei und wird nie seine beste Leistung zeigen können.

 

Es geschieht nicht ohne Grund, dass erfahrene Spieler gelegentlich zu einem perfiden Trick greifen: Sofern sie bemerken, dass ein weniger erfahrener Akteur hoch konzentriert und über seinem normalen Niveau spielt, bedenken sie diesen mit einem saftigen Lob. Oft gerät der Geschmeichelte darob leicht aus der Fassung, verliert seine Konzentration und ist in die Falle getappt.

 

Erfahrene Spieler wissen: "Lob ist das süßeste der Gifte."

Besser als ein Lob scheint daher das aus den USA stammende "High_five" geeignet, die Stimmung innerhalb der Mannschaft hoch zu halten. Das "Abklatschen" nach gelungenen Aktionen oder Fehlschlägen symbolisiert das Bestreben, gemeinsam weiter um den Sieg zu kämpfen, eben als echtes Team. Mag ein "Assistent" mit Lob bedacht werden, so wird das "High five" dann gewählt, wenn wirkliche Partner gemeinsam und gleichberechtigt fechten. Das muss das Ziel sein.

 

Thorsten