Drall 2


- Anwendung -


Wir haben uns im ersten Teil mit den Grundlagen des Dralls beschäftigt und die damit verbundenen Effekte herausgearbeitet.

 

Wollen wir ein noch tieferes Verständnis erlangen, müssen wir uns genauer damit befassen, wie eine Kugel geworfen wird und welche Bedingungen dabei vorherrschen.

Kugeln können grundsätzlich mit flacher oder steiler Flugkurve geworfen werden. Bei steiler Flugkurve ist es aufgrund des gesamten Bewegungsablaufes leichter, der Kugel mehr Drall zu geben. Eine steil gespielte Kugel gibt zudem bei ihrer Landung viel mehr Bewegungsenergie an den Boden ab, kommt also schneller zum Stehen. Dadurch ist natürlich der Aufprall stärker. Da aufgrund der Kreiselgesetze die sich drehende Kugel senkrecht zu Stoßrichtung ausweicht, wird sie bei steiler Flugbahn entweder nur stärker gebremst oder kann zusätzlich stärker verspringen. Bei flacher Flugkurve trägt die Kugel viel vorwärts gerichtete Energie in sich, wodurch sie auch ohne Drall stabilisiert wird. Bei steil gespielten Kugeln muss der Drall diese Stabilisierung übernehmen.

 

Was geschieht nun weiterhin, nachdem die Kugel den Boden berührt hat?

Eine mit Drall gespielte Kugel durchquert die Luft ohne hindernde Einflüsse. Sie behält dabei ihre Drehbewegung bei. Durch den Bodenkontakt bekommt sie einen Impuls, vorwärts zu rollen. Da sie sich durch den Drall aber in eine andere Richtung dreht, müssen wir uns für den Prozess interessieren, wie diese beiden Kräfte zum Ausgleich kommen. Wie lange behält eine Kugel nach Grundberührung ihren ursprünglichen Drall?

 

Wir wollen 2 Fälle unterscheiden:

Stark griffiger Boden (viel Grip): Unter bestimmten Bedingungen kann die Griffigkeit des Bodens sehr stark sein. Nach Regenfällen werden manche Böden lehmig, klebrig, oder sie besitzen ohnehin eine raue Oberfläche. Dieses kann noch durch Kugeloberflächen verstärkt werden, die Rillen oder Noppen aufweisen.

Liegen solche Bedingungen vor, dann wird eine Kugel ihren Drall schnell verlieren und abrupt ihre Drehrichtung ändern. Im günstigsten Falle kommt sie dann schnell zum Stillstand. Liegen aber Ungenauigkeiten vor, nehmen Kugeln in diesem kritischen Moment Laufrichtungen an, die schwer vorhersehbar und nicht gewollt sind. Wir bemerken dann, dass sie auch ohne Steine "verspringen".

 

Schwach griffiger Boden (wenig Grip): Weisen Böden eine schwache Griffigkeit auf, was meist bei sehr trockenem Wetter eintritt, verhalten sich Kugeln anders. Sie verlieren dann, nach Bodenberührung, ihren Drehimpuls nur allmählich. Die beiden einander entgegengesetzten Kräfte finden auf eine harmonischere Weise zum Ausgleich, die auch leichter zu berechnen ist. In diesen Fällen rollt die Kugel noch eine gewisse Zeit nicht im eigentlichen Sinne vorwärts. Sie gleitet vielmehr über den Boden. Man kann sich diesen Effekt auch wie folgt verdeutlichen: Ein flacher Stein, der in flachem Winkel auf eine Wasseroberfläche trifft, springt mehrfach auf, bevor er versinkt. So können unsere Kugeln, in flachem Winkel gespielt, kurz über den Boden gleiten und dabei Rückdrall und Vorwärtsbewegung harmonisch ausgleichen. 

 

Wir können daher folgende Aussagen treffen, in denen wir berücksichtigen, dass Würfe immer Ungenauigkeiten unterliegen:

 

Eine vollkommen sauber gespielte Kugel, die keinerlei Störungen unterliegt, wird immer ihr Ziel erreichen. Der vorherrschende Grip ist dann ohne Bedeutung.

 

Spielt man mit Drall, dann sollte die Strecke, die eine Kugel auf dem Boden zurücklegt, desto kürzer sein, je stärker der Grip ist. Je schwächer der Grip, desto länger darf diese Stecke sein.

 

Je stärker der Grip, desto abrupter wird eine Ungenauigkeit im Drall, die Kugel von ihrer gewünschten Richtung ablenken. Die Wahl einer flachen Flugbahn in Verbindung mit starkem Drall ist dann sehr fehleranfällig.

 

Bei schwächerem Grip darf man flacher spielen. Ein leicht unsauberer Drall wirkt sich dann kaum aus, weil er durch das Gleiten nur allmählich greift und die stärkere Vorwärtsbewegung die Kugel in die richtige Richtung zwingt.

 

Es gibt daher 2 Möglichkeiten, ein leicht unsauberes Spiel auszugleichen. Entweder man spielt steil und bringt die Kugeln schnell zum Stehen, oder man spielt flach, verzichtet dabei auf übermäßigen Drall und setzt auf die stabilisierende Wirkung der Vorwärtsbewegung.

 

Wir haben also gesehen, dass vom Drall viele nützliche Effekte zu erwarten sind. Diese können nur eintreten, wenn sauber gespielt wird. Je nach Bodenverhältnissen und Flugbahn wirken sich Unsauberkeiten gravierend oder kaum merklich aus. Der Spieler muss lernen, das richtig einzuschätzen.

 

Weil wir das Spielen mit Drall als die fortgeschrittene Technik ansehen, die sie auch ist, tappen wir gelegentlich in eine Falle. Sobald die Dinge kompliziert werden, wollen wir sie auch auf komplizierte Weise lösen. Wir übersehen aber, dass uns manchmal die Fähigkeit abhanden kommt, die Technik sauber genug auszuführen, um damit erfolgreich zu sein. Anstatt in solchen Phasen mit immer mehr Drall den Wurf ungenauer zu machen, müssen wir dann einfach weniger Drall geben. Weniger ist manchmal mehr!

  

 

Thorsten


 

Bemerkung: Dieser Artikel setzt die Kenntnis des Artikels Drall I - Grundlagen  voraus. Er findet seine Fortsetzung in Drall III - Ein Fazit