Der Sauschuss


Manchmal ist eine schlechte Chance die beste, die wir haben, denn auch ein unwahrscheinlicher Erfolg ist einer sicheren Niederlage vorzuziehen. Das lässt sich regelmäßig beobachten, wenn ein Team bereits 12 Punkte erreicht hat. Konstruieren wir folgenden Fall:

 

Team A steht einen Punkt vor 13 und hält noch 5 Kugeln bereit. Team B hat schon 4 Kugeln gespielt, ohne erfolgreich gewesen zu sein. Gern werden dann die letzten beiden Kugeln gelegt, hoffend, sie mögen bei den unweigerlich folgenden Schüssen verfehlt werden. Eine einfache Überlegung zeigt jedoch, wie irrig dieses Vorgehen ist. Traut man dem Gegner nur eine Erfolgswahrscheinlichkeit von 50 % zu, was nicht besonders hoch ist, so ist die Niederlage nahezu besiegelt wenn gelegt wird. Jede zweite Kugel wird treffen und dann gibt es immer noch eine Reserve.

 

Die einzig realistische Möglichkeit besteht darin, mit der vorletzten Kugel das Cochonnet ins Aus zu schießen. Selbst wenn Team B das theoretisch nur in einem von zehn oder gar in einem von zwanzig Fällen schafft, ist das nach Wahrscheinlichkeitsrechnung und Erfahrung die bessere Option. In einer neuen Aufnahme kann dann alles noch gut werden. Noch smarter wäre es freilich, schon Kugel 4 für den Sauschuss einzusetzen.

 

 

Da offensichtlich eine Notwendigkeit besteht, diesen Spielzug ins Repertoire aufzunehmen, sollte er auch mal geübt werden. Ein Schusstraining auf ein altes Cochonnet ist auch deshalb geboten, weil durch engeres Zielen die Tireurfähigkeit verbessert wird (siehe hierzu: Enger zielen, besser treffen). Tatsächlich empfindet man nach einer ganzen Serie von Cochonnetschüssen die Aufgabe, eine simple Kugel zu treffen, als fast banal. Steigt die Erfolgswahrscheinlichkeit in diesem Métier, so kann der Sauschuss auch als ganz normales Mittel eingesetzt werden, mit dem hoher Kugelvorteil ausgenutzt wird.

 

In hochklassigen Spielen, die beispielsweise bei Youtube mitverfolgt werden können, kommt der Sauschuss häufiger vor und wird auch früher im Spiel eingesetzt. Das liegt daran, dass auf diesem Niveau einfach nicht mehr davon ausgegangen werden kann, dem Gegner werde eine seiner Aktionen misslingen. Bei erheblichem Kugelnachteil wird dann lieber versucht, die Aufnahme zu annullieren.

 

Weise ist es, sich die Möglichkeit des Sauschusses schon beim Cochonnetwurf zu erleichtern. Ist der Gegner mit Vorsprung schon fast am Ziel, spielt man besser schräg und näher an den Spielfeldrand. So kann das Schweinchen auch bei einem ungenügenden Treffer noch ins Aus rollen.

 

Was ist aber bei einem Spiel auf "Terrain libre"? Bei Spielen ohne Feldbegrenzung ist es schwer, sich auf die oben beschriebene Weise zu retten. Es ist dann eine schöne Geste, dem unter Druck stehenden Team anzubieten, die Aufnahme zu annullieren, wenn das Schweinchen im direkten Beschuss nur irgend berührt wird. Ein solches "Gentlemen´s Agreement" ist eine wahre Zierde der Fairness.

 

"Oft ist’s der eigene Geist,

der Rettung schafft,

die wir beim Himmel suchen."

William Shakespeare